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Nosokomiale Infektion

Alle Informationen rund um das Thema Nosokomiale Infektion

Was versteht man unter dem Begriff Nosokomiale Infektion?

Unter einer nosokomialen Infektion (Krankenhausinfektion) wird jede durch Mikroorganismen hervorgerufene Infektion verstanden, die im zeitlichen Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt steht — unabhängig davon, ob Krankheitssymptome bestehen oder nicht. "Nosokomien" hießen die Räumlichkeiten in den Heilstätten im alten Griechenland (z. B. in Epidauros), in denen Patienten mittels einens Heilschlafes behandelt wurden. Als Inkubationszeit wird für die meisten nosokomialen Infektionen eine Periode von 48 Stunden angenommen. Eine Infektion, die 48 Stunden oder länger nach Krankenhausaufenthalt auftritt und noch nicht in der Inkubationsphase war, wird demzufolge als im Krankenhaus erworben klassifiziert. Die Häufigkeit, dass sich ein Patient während des Krankheitsverlaufs eine nosokomiale Infektion zuzieht, wird trotz des Fortschrittes in der Medizin nicht abnehmen, sondern eher noch zunehmen. Folgende Faktoren sind hierfür verantwortlich:

  • immer mehr Patienten mit geschwächter körpereigener Infektionsabwehr werden in den Krankenhäusern behandelt
  • immer häufiger werden komplizierte und schwierige Operationen aufgrund der Fortschritte in der operativen Technik durchgeführt
  • immer häufiger werden komplizierte apparative, invasive Maßnahmen mit erhöhtem Infektionsrisiko durchgeführt
  • immer häufiger werden therapeutische Maßnahmen durchgeführt, die die Abwehrkraft herabsetzen

Nicht zu vergessen ist das hohe Alter vieler Patienten — im Jahr 1990 lag in deutschen Kliniken der Anteil der Patienten über 60 Jahren bei 30,6% (3,6 Mio.) — Tendenz aufgrund der demographischen Entwicklung steigend. Höhere Infekthäufigkeit, größerer Schweregrad und höhere Letalität der Infekte, stärkere Beteiligung gramnegativer Keime, chronische Grunderkrankungen, Aufenthalt in Langzeitpflegeeinrichtungen, verminderte Reservekapazität und eventuell eingeschränkte immunologische Abwehr kennzeichnen die Besonderheiten der älteren Patienten im Hinblick auf das Erwerben von Krankenhausinfektionen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat auch der vermehrte und irrationale Antibiotikaverbrauch in der Behandlung von bakteriellen Infektionen zu einer besorgniserregenden Zunahme von multiresistenten Problemerregern (Methicillinresistente Stapylococcus aureus, Vancomycinresistente Enterokokken etc.) geführt. Der vermehrte Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika steht mit der Zunahme von multiresistenten Erregern in direkter Wechselbeziehung.

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